Herrsching in Bewegung – Katharina Schulze und Karin Casaretto füllen den Seehof

Bereits das Schleppen der Stühle aus den anderen Räumen des Seehof brachte die zahllosen Besucherinnen und Besucher in Bewegung, und so war man froh über Fenstersimse, über Stühle aus der Bar und Stehplätze mit Blick auf die RednerInnen. Geschätzt waren gut 120 Leute im Gartensaal des Seehof, darunter auch der amtierende Bürgermeister Christian Schiller und so manche der politischen Konkurrenz.

Doch nicht nur das Stühlerücken, auch die engagierten Reden der parteifreien Bürgermeisterkandidatin Karin Casaretto und der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bayerischen Landtag, Katharina Schulze, bewegten Zuhören und Denken. Auch die Kandidatinnen und Kandidaten des Gemeinderats und der grüne Landratskandidat Ben Barho belebten die Diskussion.

So führte Karin Casaretto aus, wie ein erster Tag als Bürgermeisterin mit dem neugewählten Gemeinderat aussehen könnte; es könnte eine gemeinsame Debatte sein über die Ziele für Herrschings Entwicklung und die möglichen Schritte dahin. Herrsching muss wieder zum Lebensraum für Jugendliche werden, für Familien mit Kindern, für Alleinstehende und Senioren. Räume, wo Jugendliche sich auch nach acht am Abend noch ohne Konsumzwang treffen und aufhalten können, so z.B. in einem Eisenbahnwaggon als Jugendcafé auf dem vergessenen Bahnhofsgelände südlich des Bahnhofs. Straßen und Wege, wo Kinder sich ohne Gefahr bewegen können, Tempo 30 im gesamten Ortsbereich, Tages- und Kurzzeitpflegeplätze für Senioren sind nötig.

Bezahlbarer Wohnraum wird in Herrsching und seinen Ortsteilen dringend gesucht. Katharina Schulze und Ben Barho brachten die Möglichkeit ein, bestehende steuerliche Nachteile für faire Vermieterinnen und Vermieter abzubauen, die Wohnraum ohne Gewinnorientierung zur Verfügung stellen wollen. Ein kreisweites Leerstandregister könnte zudem Handlungsspielräume für die Kommune eröffnen. Eine ökologische Bebauung des Bofrost-Geländes, wie sie Karin Casaretto anführte, könnte ohne neue Versiegelung Wohnraum schaffen.

Bei allen Entscheidungen im Gemeinderat und auch im privaten Bereich muss Klimaschutz mitgedacht und umgesetzt werden. Besonders trifft das natürlich auf unsere zukünftige Energie- und Wärmeversorgung zu, die die ZuhörerInnen bewegte: Wie geht es weiter mit der Energie- und Wärmeplanung Im Gemeindebereich? Aufgrund einer Initiative von Grünen im Gemeinderat ist dieses Thema in der Bearbeitung, ein Wärmeplan mittlerweile verabschiedet. Die Nutzung der Seewärme, von Geothermie, Wärmedämmung, Einbau von Wärmepumpen und Sanierung im Bestand wird Teil künftiger Debatten sein, wie auch der Energiefachmann Gerd Mulert einbrachte.

Eine Frage zum öffentlichen Nahverkehr brachte das Publikum in Herrsching besonders in Bewegung – im Gegensatz zur S-Bahn: „und dann steht man wieder in Weßling!“ Kein schnell lösbares Thema nach jahrzehntelanger Vernachlässigung der Bahn durch schwarz-rote Regierungen. Wie Ben Barho betonte, sind zuverlässige Busse und Bahnen aber nicht nur eine ökologische, sondern vor allem eine Frage von Gerechtigkeit und Teilhabe: insbesondere Jugendliche, SeniorInnen und Menschen mit geringem Einkommen können oft nicht einfach aufs Auto ausweichen.

Und wo ist das lebendige Zentrum Herrschings? An Straßen wird die Verbesserung der Aufenthaltsqualität vom Publikum eingefordert. Karin Casaretto stellt die überfällige Sanierung des Bahnhofs mit genossenschaftlicher Finanzierung vor. Hier können sich alle Altersgruppen und BesucherInnen treffen, hier kann zwangloses kulturelles Leben entstehen und Aktuelles diskutiert werden. Die Einbeziehung des ökologisch sanierten Kienbachs leitet zum Seeufer über.

„Den Gemeinschaftssinn stärken“, war eins der großen Themen, das von Katharina Schulze, der gebürtigen Herrschingerin, eingebracht wurde und den Abend umspannte. So wie die Grünen im Landtag vernünftigen Gesetzesregelungen der CSU zustimmen, ist dies leider umgekehrt noch nicht feststellbar. Angesichts der „neuen Weltordnung“, der neuen Verantwortung europäischer Staaten sind Demokratie und Gemeinsinn dringend geboten; hier brandete Beifall auf. „Nicht fragen, was macht der Staat, die Politik für mich, sondern fragen, was kann ich für die Gemeinschaft tun“. Ehrenamtliches Engagement in Vereinen, privates Mitwirken prägen das Zusammenleben. So sprach Schulze nicht nur von der freiwilligen Wehrpflicht, sondern auch von einem „Gesellschaftsjahr“, das unsere Demokratie und verantwortliche Politik stärken wird.

Noch lange wurden an diesem Abend Diskussionen in kleinen Gruppen fortgesetzt. Es zeigte sich, der Wahlkampf bewegt die Menschen. Herrsching ist in Bewegung. Das Interesse an den Kommunalwahlen ist enorm gewachsen und Bürgerinnen und Bürger sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Und, wie Schulze im Hinblick auf das Wirken von Frau Evelyn Palla bei der Deutschen Bundesbahn sagte, „immer wenn die Dinge schwer in Unordnung geraten sind, müssen Frauen das Ruder übernehmen und aufräumen“ (vieldeutiges Gelächter), so ist an diesem Abend klar geworden, dass ein Wechsel im Bürgermeisteramt nach drei Legislaturperioden dem demokratischen Leben in der Gemeinde guttun würde.

 

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.

Verwandte Artikel