Kehrtwende des Gemeinderats zu historisch belasteten Straßennamen

Im April 2025 beschloss der Gemeinderat grundsätzlich, Straßennamen mit NS Bezug umzubennenen, konkret die Madeleine-Ruoff-Straße und die Erich-Holthaus-Straße. Im September 2025 stimmte er mit großer Mehrheit dafür, das Verfahren für die Umbenennung in Keramikstraße und Gachenaustraße einzuleiten.

Nach der in diesen Fällen obligatorischen Befragung der Anwohner hat der Gemeinderat diese Beschlüsse am 16. März 2026 mit einer Mehrheit von CSU, SPD, FDP und Bürgermeister Schiller wieder gekippt, obwohl sich durch die Befragung keine neuen Aspekte ergeben haben.

Wir sind entsetzt über diese Kehrtwende.

Die Tatsache, dass die betroffenen Anlieger mehrheitlich keine Änderung ihrer Adresse wünschen, befreit den Gemeinderat nicht von der politischen und moralischen Verantwortung beim Umgang mit belasteten Straßennamen.

Wie mehrere Gemeinderät*innen der Grünen und der Bürgergemeinschaft Herrsching in der Sitzung betonten, wird ein Straßenname im Allgemeinen als Ehrung verstanden. Die Namensgeber*innen der betroffenen Straßen haben sich in unterschiedlicher Weise in der Zeit des Nationalsozialismus schuldig gemacht und verdienen diese Würdigung nicht.

Besonders enttäuschend ist, dass mehrere Gemeinderät*innen und Bürgermeister Christian Schiller nicht zu Ihrer Entscheidung bei der ursprünglichen Abstimmung über die Umbenennung der Straßen mit NS Bezug stehen wollten. Gerade in Zeiten einer weiter erstarkenden Rechten ist es um so wichtiger, klare Haltung zu zeigen, auch wenn es unbequem wird.

Die grüne Fraktion stimmte neben der BGH geschlossen für die Umbenennung. Bei der Madeleine-Ruoff-Straße waren zwei Gemeinderäte wegen persönlicher Betroffenheit nicht stimmberechtigt.

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