Volles Haus beim Werkstattgespräch „Was ist los im Iran“

Rund 50 Besucherinnen und Besucher füllten die Schreinerei Darchinger am Herrschinger Seewinkel bis auf den letzten Platz, als BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Werkstattgespräch „Was ist los im Iran?“ eingeladen hatten. Die Idee zu dem Event entstand im persönlichen Gespräch zwischen Gastgeber Wolfgang Darchinger, Schreinermeister und Gemeinderat, und Laleh Bode-Maralani. Die iranische Ingenieurin hat in Teheran Verfahrenstechnik studiert, arbeitete mehrere Jahre in der Ölindustrie und ist inzwischen als IT-Spezialistin tätig; sie ist mit einem Deutschen verheiratet.

Ausgehend von eigenen Erfahrungen zeichnete sie die gesellschaftlichen Entwicklungen im Iran nach – von den historischen Wurzeln bis zur unvorstellbaren Gewalt der Revolutionsgarden gegen Frauen und Mädchen, die erschreckenden Massaker an der Zivilbevölkerung. Als 2024 die Protestbewegung „Frau – Leben – Freiheit“ weltweit sichtbar wurde, war sie in ständiger Sorge um ihre Angehörigen, fühlte das Trauma des Terrors, aber auch die Hoffnung auf Veränderung. Die Tage und Nächte des 8. und 9. Januars diesen Jahres beschreibt sie als persönliche Hölle. Das Regime hatte das Internet abgeschaltet und so hinter verschlossenen Fenstern und Türen angefangen, willkürlich und unmenschlich Zehntausende hinzurichten, zu ermorden, zu vergewaltigen. Bode-Maralani machte Emotionen und Erinnerungen an die verzweifelte Situation, die Hilflosigkeit, die Todesangst für ihr Publikum greifbar.

Sie ordnete die Lage auch in den regionalen und internationalen Kontext ein: Konflikte im Nahen Osten wirkten sich weit über die Region hinaus auf Sicherheit, Wirtschaft und internationale Politik aus. Wirtschaftliche Sanktionen begrüße sie ausdrücklich – am liebsten würde sie jede wirtschaftliche Beziehung zum Regime unterbinden, da die Einnahmen nahezu vollständig in Rüstung und die Finanzierung der Revolutionsgarden flössen und damit sowohl die Unterdrückung im Inneren als auch die Aggression gegenüber Nachbarstaaten stützten. Trotz der massiven Unterdrückung, so Bode-Maralani, ließen sich die Menschen im Iran nicht entmutigen: Die Bewegung stehe weiterhin für den Wunsch nach einem freien, demokratischen Land, dessen reiche kulturelle und wissenschaftliche Tradition langfristig die Kraft zur Befreiung von einem autoritären Regime biete. Sie betonte die Bedeutung von Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe als Grundlage für Selbstbestimmung, besonders für Frauen.

In der anschließenden, intensiven Diskussion wurden historische Hintergründe, geopolitische Entwicklungen und mögliche Perspektiven für einen demokratischen Wandel im Iran reflektiert. Besonders beeindruckte das Publikum der persönliche Mut der Referentin: Sie sprach offen darüber, dass öffentliches Engagement und Kritik am Regime auch mit erheblichen persönlichen Risiken verbunden sein können. Es war sicher nicht das letzte Mal, dass sie darüber sprach.

Wir danken Laleh sehr für diesen spannenden Abend!

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